{"id":221,"date":"2017-06-26T21:22:50","date_gmt":"2017-06-26T19:22:50","guid":{"rendered":"http:\/\/klemenb.bplaced.net\/01_SPDKOCNA\/?p=221"},"modified":"2019-07-09T07:22:22","modified_gmt":"2019-07-09T05:22:22","slug":"france-gorse-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klemenb.bplaced.net\/01_SPDKOCNA\/de\/france-gorse-2\/","title":{"rendered":"France Gor\u0161e"},"content":{"rendered":"<p><strong style=\"color: #000000;\">Der Bildhauer France Gor\u0161e<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das k\u00fcnstlerische Schaffen des Bildhauers France Gor\u0161e ist ein Spiegelbild seines Lebens und ein Abglanz all dessen, was sich in ihm und um ihn ereignet hat. Der Weg, den er in der Kunst und im Leben durchschritten hat, war lang und wird vielleicht nie zu Ende sein. Seine Kunst wird in jeder neuen Generation einen anderen Widerhall hervorrufen, und jede Generation wird in ihr etwas finden, das ihr entspricht und das neu ist &#8211; so wie wir heute in seinem Vorkriegsschaffen neue Dimensionen entdecken. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_218\" style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-218\" class=\"size-full wp-image-218\" src=\"https:\/\/klemenb.bplaced.net\/01_SPDKOCNA\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/franc_gorse.gif\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"174\" \/><p id=\"caption-attachment-218\" class=\"wp-caption-text\">France Gor\u0161e<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das aber hei\u00dft, dass seine Kunst viel verflochtener und auch geheimnisvoller ist, als es dem oberfl\u00e4chlichen Betrachter scheint. Manchmal \u00fcberraschte er uns mit monumentalen Figuren, die etwas von dem enthielten, was die archaische Plastik auszeichnet. Dann wieder lenkte er unseren Blick auf brillante Kleinplastiken, die vom Gl\u00fcck des Lebens k\u00fcndeten und von jener Wonne, die den K\u00fcnstler erf\u00fcllt, wenn er den Ton knetet und neue Formen und Gegenst\u00e4nde schafft.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Als er die vollplastischen und \u00fcberraschend eleganten Figuren mit dem paradoxen archaischen L\u00e4cheln formte, machte er sich gleichzeitig Gedanken \u00fcber neue Materialien und \u00fcber neue M\u00f6glichkeiten im bildhauerischen Ausdruck. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">W\u00e4hrend \u00fcber ihn als den Meister der Holzplastik geschrieben wurde, \u00fcberraschte er mit Bronzefiguren; als er im Lichte seiner ersten gro\u00dfen Erfolge der Vorkriegszeit beurteilt wurde, begann er seine Drahtobjekte zu formen; als er als Erbe der Renaissance- ja sogar Barockplastik eingestuft wurde, schuf er eine Reihe von Plastiken, die dem vergeistigten gotischen Ausdruck noch am n\u00e4chsten kommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gleichzeitig \u00fcberraschte er seine Zeitgenossen mit seiner Vitalit\u00e4t und Vielseitigkeit. Denn er war nicht nur ein ausgezeichneter Bildhauer, sondern auch Sch\u00f6pfer von Buchillustrationen, die zu den Besten geh\u00f6ren, die in Slowenien jemals entstanden sind. Als er sich in ehrw\u00fcrdigem Alter in Suetschach\/Sve\u010de in K\u00e4rnten niederlie\u00df, dachte so mancher, dass er sich nun in den wohlverdienten Ruhestand zur\u00fcckziehen wollte. Doch f\u00fcr den vitalen K\u00fcnstler gab es keinen Stillstand, er schmiedete weiterhin Pl\u00e4ne und arbeitete unerm\u00fcdlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">France Gor\u0161e wurde am 26. September 1897 in Sodra\u017eica in Dolenjska, Slowenien, geboren. Er begann sein Studium in Ljubljana und wurde dann zum Milit\u00e4r eingezogen. Bis zum Jahre 1917 blieb er an der italienischen Front. 1920 ging er nach Zagreb, wo er f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter &#8211; zwischendurch war er ernstlich erkrankt &#8211; als einer der Lieblingssch\u00fcler des gro\u00dfen kroatischen Bildhauers Ivan Me\u0161trovi\u0107 sein Studium mit dem Diplom abschloss. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Sein Lebensweg, der gleichzeitig sein k\u00fcnstlerischer ist, f\u00fchrte ihn danach von Ilirska Bistrica \u00fcber Triest und G\u00f6rz nach Ljubljana, wo er erstmals sesshaft wurde. Bis zum Jahre 1931, als er seine bildhauerische T\u00e4tigkeit in Ljubljana aufnahm, hatte er bereits ein beachtliches Opus geschaffen, war er an der Biennale von Venedig vertreten und konnte auf eine Reihe von Ausstellungen verweisen. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Bis zum Jahre 1945, als er zun\u00e4chst nach Triest, dann im Jahre 1952 in die USA emigrierte, erreichte er in den Laibacher Jahren die k\u00fcnstlerische Reife und gleichzeitig jene Stufe in seiner Entwicklung, die sein Werk zu einem der wesentlichsten Bestandteile der modernen slowenischen Kunst werden lie\u00df.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Sein Leben, sein Werk und seine Ausstellungen auf drei Kontinenten nach dem Jahre 1952 aber zeugen davon, dass der Reifeperiode von Ljubljana eine neue Zeit des Suchens und des neuerlichen Aufschwungs folgte. In knapp zehn Jahren entwickelte er jene besonderen Merkmale in seinem Schaffen, die sich bereits in der Zwischenkriegszeit angek\u00fcndigt hatten.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Im Jahre 1960 entschied er sich dann f\u00fcr einen ernsthaften Einschnitt &#8211; er entdeckte die M\u00f6glichkeiten, die der Draht dem Gestalter bietet. Die Drahtplastik wiederum f\u00fchrte ihn drei Jahre sp\u00e4ter zur Entdeckung seines eigenen Materials, der Nussmasse (&#8222;ore\u0161ec&#8220;). Das ist ein Gemisch aus Walnusss\u00e4gemehl und Spezialleim. Gor\u0161e bereist die USA, und zweimal macht er sich sogar auf den Weg in die alte Heimat. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">1969 wird er f\u00fcr die bildhauerische Ausgestaltung des Marienheiligtums in Washington ausgezeichnet, der Papst empf\u00e4ngt ihn in Privataudienz und im Jahr danach bekommt er den ersten bedeutenderen Auftrag in Slowenien: den Kreuzweg f\u00fcr die neue Kirche in Poljana bei \u0160kofja Loka. Innere Unruhe und unentwegte Sehnsucht f\u00fchren ihn 1971 nach Europa, wo er sich in Rom niederl\u00e4sst. Von da reist er nach K\u00e4rnten und h\u00e4lt sich eine Zeitlang in Tr\u00f6gern\/Korte auf. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Er gestaltet einen Kreuzweg f\u00fcr die Marienkirche in Tezno bei Maribor. Im n\u00e4chsten Jahr h\u00e4lt er sich vor\u00fcbergehend in Tr\u00f6gern\/Korte auf, und im Jahre 1973 schafft er sich in Suetschach\/Sve\u010de in einem alten Bauernhaus neben der Pfarrkirche sein Atelier und eine eigene Galerie. Den Rasenplatz vor seinem Haus gestaltet er mit einer Reihe von Portr\u00e4tb\u00fcsten zu einem einzigartigen Kulturpark. Mitten unter den Darstellungen bedeutender K\u00e4rntner Kulturschaffender befindet sich auch sein Autoportr\u00e4t. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Anf\u00e4nge seines Schaffens waren ganz und gar von seines Meisters Anschauungen von der Bildhauerkunst bestimmt. Trotzdem war er imstande, sehr bald seinen eigenen Weg zu finden. Er langte in die Schatzkammer der archaischen griechischen Plastik, bereicherte sich an der expressionistischen Bildhauerei, studierte mit gro\u00dfem Interesse das bildhauerische Werk Maillols und die Volkskunst. Vor allem aber hegte und vervollst\u00e4ndigte er sein angeborenes Gef\u00fchl f\u00fcr die plastische Form und f\u00fcr das Material, das in seinen H\u00e4nden zu einer bereitwilligen und schmiegsamen Masse wird, der er sein sch\u00f6pferisches &#8222;Werde!&#8220; einhaucht. Die reife Phase von Ljubljana brachte zuletzt eine Reihe blendender Arbeiten, die in seinem Atelier entstanden. Neben Portr\u00e4ts w\u00e4ren zumindest einige Akte zu erw\u00e4hnen (Eva, die Badende), ferner allegorische Figuren (Gru\u00df an den Fr\u00fchling) und Monumentalplastiken (Hochhaus &#8222;Neboti\u010dnik&#8220;, Parlament in Belgrad u.a.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Obwohl ihn in erster Linie das Problem des Formens aus dem Block besch\u00e4ftigte, ging er doch von der griechischen Archaik aus, studierte er gleichwohl auch das Problem der Bewegung. So entstand eine Reihe hervorragender Plastiken. Hier sei nur das Doppelportr\u00e4t des T\u00e4nzerpaares Pia und Pino Mlakar genannt. W\u00e4hrend der intensiven Arbeit, als er den Sinn der Bildhauerei in Gro\u00dfplastiken suchte und als er die unaufhaltsame Bewegung in bleibende Materialien zu bannen bestrebt war, schuf er aber auch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Kleinplastiken, die noch heute \u00fcberraschend frisch und modern sind. Mit wenigen Z\u00fcgen deutete er eine weibliche Gestalt an und gab ihr Leben &#8211; doch ist es keineswegs ein Abbild der Natur. Eine unansehnliche Skizze wurde so in den H\u00e4nden des Meisters zu einem Kunstwerk, denn in dem zu ungeahntem Leben erweckten Klumpen Ton sind intensives Reflektieren, sch\u00f6pferischer Wille und der Blick in die Ziukunft verborgen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Jedes Werk Gor\u0161es spricht n\u00e4mlich auch von seinem zuk\u00fcnftigen Schaffen, in ihm verbirgt sich eine Ank\u00fcndigung dessen, was kommen wird. In dieser fruchtbaren Schaffensperiode erreichte er einen hohen Grad an Vergeistigung in der sakralen Plastik (Betende Frau, 1937; Madonna, 1938; Pieta, 1938 us.a), gleichzeitig aber eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Ausgeglichenheit zwischen der vollen, plastischen Form und der inneren Spannung in seinen Kompositionen, die vornehmlich der Sch\u00f6nheit des menschlichen K\u00f6rpers gewidmet sind. In der Bauplastik (f\u00fcr das Parlament in Belgrad, f\u00fcr das Hochhaus &#8222;Neboti\u010dnik&#8220; in Ljubljana, f\u00fcr das Geb\u00e4ude in der Celov\u0161ka cesta in Ljubljana) gelang ihm die Neuentdeckung vergessener Prinzipien der slowenischen gotischen und barocken Plastik. Vor allem aber vermochte er die bildhauerische Form in ungek\u00fcnstelter, \u00fcberzeugend einfacher Weise mitzuteilen, ohne \u00fcberfl\u00fcssige Details, in einem St\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In den ersten Jahren der Emigration (nach 1945) widmete er sich vor allem der Kleinplastik und der Zeichnung. Diese Arbeiten entstanden neben seiner Lehrt\u00e4tigkeit am slowenischen Gymnasium von Triest und neben seiner zeitweisen Mitarbeit am Triestiner Radio. In dieser Zeit verfestigten sich jene Erkenntnisse, die er in den Laibacher Jahren gewonnen hatte. Zu diesem Zeitpunkt w\u00fcrden wahrscheinlich die meisten Menschen das Erreichte zu erhalten versuchen. Dennoch obsiegte der k\u00fcnstlerische Wille.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">In den 50er Jahren fing er eigentlich wieder von Neuem an. Er ging nach den USA, die ihn mit ihrem &#8222;way of life&#8220; und ihrer Dynamik faszinierten. Hier begann er nun neue Anregungen aufzunehmen. Hier entwarf er auch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Plastiken (zun\u00e4chst in Drahtkonstruktion, sp\u00e4ter in Walnussmasse), die wir als Gor\u0161es Gothik bezeichnen k\u00f6nnen. Es ging ihm in erster Linie darum, einen hohen Grad an Vergeistigung und Schwerelosigkeit zu erreichen. In den sakralen Kompositionen, die wie ungegenst\u00e4ndliche Erscheinungen wirken, bekommen wir eine Ahnung davon, wie sich die Gestalten zum Himmel erheben und ihre irdische Schwere ablegen. Realistische Details gibt es kaum noch, die k\u00fcnstlerische Sprache ist in der Kontur und in der malerisch bearbeiteten Oberfl\u00e4che verdichtet. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Und dennoch bewahrten die Werke all das, was Gor\u0161e in der Plastik geschaffen hatte &#8211; vom ehrfurchtsvoll und mit viel Fingerspitzengef\u00fchl gestalteten Material bis zur reinen Form. <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die expressionistischen Komponenten seiner Kunst, die vor allem in seinen fr\u00fchen, jugendlichen Werken sp\u00fcrbar waren, erstanden in seiner amerikanischen Phase in pointierter Form zu neuem Leben. <\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\">(Janez Sedej; aus dem Slowenischen von Janko Zerzer)<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bildhauer France Gor\u0161e Das k\u00fcnstlerische Schaffen des Bildhauers France Gor\u0161e ist ein Spiegelbild seines Lebens und ein Abglanz all dessen, was sich in ihm und um ihn ereignet hat. 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